Wochenspiegel Nr. 19/6 vom 5. Mai 1972, S. 1-2

UNSERE STADT IN DER WIR LEBEN

Die Fritzlarer Domorgel

Am kommenden Sonntag, dem 7. Mai 1972, um 20.00 Uhr, findet im Dom ein geistliches Konzert statt. Mitwirkende sind der Domorganist Prof. Erich Ackermann, Fulda und der Domchor Fritzlar unter der Lei­tung der Kantorin Helma Fi­scher, Fritzlar. Es werden Werke von Händel, Haßler, Vi­valdi, Bach, Händl, Prätorius, Reger, Eccard, Dupré, Schütz und Langlais zu Gehör kommen.

      Der Anlaß dieses Konzertes ist die Beendigung der Orgelre­novie­rung, Orgelbaumeister A. Wolf von der Fa. M. Kreien­brink, Fulda, hat in einer Zeitspanne von ca. sechs Wochen die Domorgel überholt. Diese Ar­beit war dringend notwen­dig geworden, zumal durch die Renovierung des Domes die Orgel und ihre Pfeifen sehr verstaubt waren.

      Die Orgel ist im Jahre 1929 von dem Orgelbaumeister Jo­hannes Kleis aus Bonn gebaut worden. Sie wurde am 15. De­zember 1929 ge­weiht durch ein Orgelkonzert von Pater Anselm Ross, O.S.B. , Abtei Maria-Laach ihrer Bestimmung überge­ben.

      Die Domorgel umfaßt 45 Register mit 3045 Pfeifen, verteilt auf 3 Manuale und Pedal. Das I. und II. Manual und Haupt­pedal stehen auf der eigentlichen Empore, das III. Manual und restliche Pedal darüber hinter dem alten Orgelgehäuse. Spieltisch und Traktor (Verbindung zur Orgel) arbeiten rein elektrisch. Bei Stromausfall stehen Fußbetrieb zum Wind­machen und ein einmanualiger Hilfsspieltisch zur Verfügung.

 

Die Dispositionen der Orgel sind:

      Die heutige Orgel ist die vierte Orgel des Domes. Im Jahre 1511, 1549 und 1583 werden nach dem Stiftsprotokoll klei­nere Reparaturen an der Orgel der Peterskirche vorgenom­men. Am 6, Oktober 1588 schließen Scholaster, Sänger und Kapitel des St. Peterstifts einen Vertrag mit Henricus Cum­penius, Orgelmacher und Bürger von Northausen, wegen An­fertigung eines neuen Orgelwerks in der Stiftskirche. Dieses wurde am 9. Januar 1590 geliefert und hatte 31 Stimmen. Der Erbauer sollte die alte Orgel in Zahlung nehmen und außerdem 625 Thaler bar erhal­ten. Die Malerei an der Or­gel wurde dem Maler Gerhard Stroithmann, Paderborn, übertragen. Größere Reparaturen wurden Im Jahre 1651, 1729 und 1747 vorgenommen. Am 26. April 1768 erhielt der Orgel­bauer Schlottmann aus Friedewald den Auftrag, eine neue Orgel herzu­stellen für 1650 Thaler und die alte Orgel. Obgleich Schlottmann am 18. Januar 1773 den Betrag von 1200 Thalern schon erhalten hatte, brachte er die Orgel wegen seiner schlechten Finanzlage nicht fertig, und es mußte im Jahre 1774 der „berühmte“ Orgelmacher Johann Gottlieb Müller, Paderborn, zur Vollendung herangezogen werden. Diese dritte Orgel wurde im Jahre 1915 wegen Bau­fälligkeit abgebrochen. Schon Im Jahre 1902 war mit der Firma Schlimbach und Sohn, Würzburg, ein Vertrag zur Lieferung einer neuen Orgel geschlossen worden. Die Firma hielt aber den Vertrag nicht ein und so wurde nach den Wir­ren des Ersten Weltkrieges erst am 21. Juni 1928 von dem Kirchenvorstand der Beschluß gefaßt, bei der Firma Klais, Bonn, eine neue Orgel in Auftrag zu geben. Diese wurde dann wie oben erwähnt im Dezember 1929 geweiht.

AM.

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