Vorbemerkung
Mit der Aufstellung der Installation des Künstlers Johann Steffen, der Anfang der 1990er Jahre mit seiner Familie aus Kasachstan nach Deutschland und schließlich nach Wabern und Fritzlar gezogen war, fand ein langjähriges Projekt nun endlich eine Vollendung. Im Rahmen der Neugestaltung der Stadtgeschichtlichen Abteilung hatte der damalige wissen-schaftliche Leiter des Regionalmuseums Fritzlar Dr. Johann-Henrich Schotten (1993-2012) mit Aktiven des Museums-vereins bereits eine Gestaltung geplant, die neben zweidimensionalen (Abbildungen, Photographien, Dokumenten und Karten) Schaustücken und gegenständlichen Schauvitrinen auch dreidimensionale Ausstellungsschwerpunkte in Form von Themeninseln enthalten sollte. Dazu hätten repräsantive Einzelobjekt in ihrem Kontext und auch Modelle gehört. Als ein besonderes Schaustück wurde dabei an die Darstellung der historischen Vorkommnisse um die Belagerung der Stadt durch den thüringischen Landgrafen Konrad im Jahre 1232 gedacht. Da zu den Vereinsmitgliedern seinerzeit einige Modellbauer gehörten, wurden entsprechende Vorbereitungen getroffen. Dazu gehörte z. B. die Anschaffungen entsprechenden "Personals", das es im Maßstab 1:24/25 unter der Marke "Elastolin" zu dieser Zeit noch zu erwerben gab (im Prinzip geht das auch heute noch). Da es aber im Stiftungsvorstand des Museums keinerlei Unterstützung für die Realisierung der Neuplanung gab (angeblich aus Kostengründen), schlief auch dieses Vorhaben ein. Als Herr Steffen auf Initiatve des Vereinsmitgliedes Klaus Leise seine Werkstatt im Hochzeitshaus einrichten konnte und neben seinen unverzichtbaren Restaurierungsarbeiten auch anfing selbständig oder im Auftrag Kunstwerke zu fertigen, die auf die Stadtgeschichte Bezug nahmen, tauchte der Gedanke an eine repräsentative Darstellung erneut auf. Es folgten zahlreiche fachliche und sachliche Diskussionen, dazu gab es Zuspruch von Fritzlarer Bürgern und von Seiten des Kulturvereins. Johann Steffen verstand sie als Auftrag und machte sich, wie immer fleißig, ans Werk, begleitet von guten Ratschlägen, Hinweisen und Tips. Vor unseren erstaunten Augen entwickelte sich, mit atem-beraubender Geschwindigkeit, bald eine abenteuerliche Szenerie. Es gab aber schließlich noch ein Problem: nach der usprünglichen Zusage, das Diorama in einer künftigen Stadtgeschichte zu berücksichtigen, erfolgte nach einer erneuten Neuplanung eine Nichtbeachtung, ja eine Ablehnung (weil es zu "asiatisch" sei)! So wurde die Installation (nach seinem Tode) zeitweilig provisorisch im Erdgeschoss des Hauses "Zur Lilie" am Markt 20 präsentiert, es gab aber für lange Zeit keine wirkliche Antwort darauf, wer für die viele Arbeit aufkommen und wo das Werk eigentlich bleiben sollte. Es ist nun schließlich der Inititiative der heutigen Stadtführergilde zu danken, daß die alte Idee in ihrer künstlerischen Vollendung endlich einen angemessenen Standplatz gefunden hat.
Nachwort: Bei dem garstigen Weibsvolk, das den Landgrafen derart provozierte, soll es sich -so Wigand Gerstenberg- nicht um Fritzlarer Frauen gehandelt haben sondern um die weibliche Begleitung der mainzischen Soldaten, also um eine Art rheinischen Humores, der in Thüringen nicht populär war. Das tröstet, angesichts der schrecklichen Folgen, nicht wirklich, rettet aber die Ehre der einheimischen Damen.