Eduard Stiegel
Biographie
Fritzlar, Grauer Turm
Das Motiv wirkt zunächst etwas irritierend hat aber vielleicht doch eine realen Hintergrund. Bis kurz nach dem 2. Weltkrieg trug die Straße, die wir heute "Am Hochzeitshaus" nennen den Namen "Geismarstraße", auf älteren Plänen bricht dieser Weg im Westen plötzlich rechtwinkelig nach Norden um, um heute als "Wigbertstraße" bezeichnet zu werden. Das entbehrt nicht gewisser Unlogik, denn eigentlich könnte man erwarten, daß die Führung weiter nach Westen über den "Zimmerplatz" und die heutige "Johann-Sebastian-Bach-Straße" wie einen Abschnitt der aktuellen "Kaiser-Heinrich Straße" bis zum Fuße des Eckerich verliefe, um -entweder vorbei am Kalkofen oder über den Berg- direkt nach Alt-Geismar (bis zum 13. Jahrhundert) oder Ungedanken und ederaufwärts Richtung Waldeck/Wildungen zu führen. Es ist also nicht auszuschließen, daß es tatsächlich einmal ein Geismartor in dieser oder ähnlicher Form gegeben hat, auch wenn es zur Zeit des Gemäldes nur noch in der Phantasie des Künsters (wie auch der hohe befestigte Berg im Hintergrund: "Hellen", "Hoher Berg" oder gar "Büraberg", und die eigenartige Positionierung der Stiftkirche St. Peter wie der Kurie in der Fischgasse) existierte. Das "Schilderertor" markierte ursprünglich den Weg nach Züschen und das damals noch mainzische Naumburg. die Haddamargasse (heute Kasseler Straße) und das "Haddamartor" öffneten sich über den gleichnamigen Ort Richtung Wolfhagen und Paderborn zum sog. "Hellweg" im Norden, das "Werkeltor" nach ebendiesem Ort und Kassel (Cassel), während das "Münstertor" in Richtung Osten, evtl. nach Leipzig oder darüber hinaus auch nach Südosten zeigte. Zugleich wies es aber Richtung Frankfurt (und letztendlich Rom). Das "Wintertor" im Südwesten der Stadt schließlich gab den älteren Weg (vom Bau der steinernen Ederbrücke) über Holzheim nach Süden und über Biedenkopf. Koblenz, Paris und Santiago de Compostella frei, wie Hinweise auf den Hl. Jakob belegen. Fritzlar bildete also eine "Spinne im Netz", was lange Zeit in wirtschaftlicher und (bis in das 16. Jahrhundert) auch in politischer Hinsicht seine Bedeutung und seine relative Wohlhabenheit erklärt.