"Waage"
Dieses Haus hat eine lange Baugeschichte hinter sich, die weit in das Hochmittelalter zurükreicht. Eigentlich wurde es in den Graben zwischen Ober- und Unterburg der ehemaligen Kaiserpfalz Fritzlar hineingebaut, die bereits 1079 so grundlegend zerstört worden war, daß man lange keinen Hinweis auf ihr Aussehen hatte. Der Einbau erfolgte über mehrere Etappen, sogar der Keller ist zweiphasig. Der heute oberirdische Bau aus gotischer Zeit diente mögli-cherweise zunächst als "Infirmarium" (Krankenstation) des Stiftes später als Stiftssal. Danach hat man ihn zum zentralen Platz zwecks Annahme der landwirtschaflichen Abgaben umgestaltet, wobei sich die Bezeichnung "Waage" einbürgerte; und Lagerraum blieb er bis in die Neuzeit. Nach mehreren Umbauten wird er heute, wieder unter dem Namen "Stiftssaal" für Geselligkeiten aller Art wie Geburtstage, Hochzeiten, Karnevalsereigniss u. v. a. m. genutzt. Am rechten Bildrand sieht man noch einen Teil des sog. "Lioba-Hauses", zeitweilig ein katholischer Kindergarten, an dessen Platz sich bis 1904 das Offizierscasino der des preußischen/kurhessischen Artillerieregiments 11 befand. In den 1950er Jahren wohnte dort die Familie des Arztes Dr. Straßberger.