Wochenspiegel Nr. 12/12 vom 23. März 1978, S. 1-2
 

Ostern - Licht der Auferstehung 
Wertvolle Leuchter im Fritzlarer Dom 
von Hans Josef Heer

Ostern - das Fest der Auferstehung birgt für uns Menschen etwas Tröstliches in sich. Es bedeutet für uns das Licht des ewigen Lebens, der heilstrahlenden Gnade auf dem Wege aus dem Dunkel und den Gefahren dieser Zeit zur Unvergäng­lichkeit.

      Jedes Kirchengebäude ist ein Bau aus Stein und Licht. Licht führt uns durch den Raum, jenes Licht, das den Menschen ein Sinnbild des Lebens gewesen ist. Es ist das Leuchten, das vom Kreuz ausgeht und alle gläubigen Herzen erfüllt. Es wird versinn­bildlicht in den Kerzen­leuchtern auf den Altären.

      Viele Kirchen nennen noch schöne, alte Leuchter ihr eigen, die oftmals viele Jahrhunderte alt sind, aber gerade darum so viel zu sagen haben. Die Künstler der damaligen Zeit vermochten soviel Symbolik in ihre Gestaltung hineinzulegen, daß es sich lohnt, sie einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Fritzlar kann sich glücklich schätzen, auch in seinem Besitz solche beachtenswerte Altarleuchter zu haben. So befinden sich im Fritzlarer Domschatz zwei romanische Altar­leuchter, die um das Jahr 1200 entstanden sein mögen. Da sehen wir auf breitem, dreibeinigen Fuß einen stämmigen Schaft, der von drei runden Knäufen unterbrochen wird, einen dicht über dem Fuß, den anderen in der Mitte, den dritten un­mittelbar unter dem kelchartigen Leuchtermund. Aus diesem ragt der Zapfen, auf den die Kerzen gesteckt werden. Die Säule seines erzenen Schaftes leitet über zu den schlanken Formen der Kerzen. Dreimal erscheint ein Löwenfuß, hinwei­send auf die dreieinige Gottheit. Unter dem Schaft schlafen in einem Blattwurzelwerk die Drachen, die Feinde des Lebens und des Lichtes, ein jeder in sich zusammengeringelt, auch sie getragen von den Löwenfüßen, das heißt, auch die zerstörenden Kräfte sind eingeordnet in den Aufbau des Lebens. Die drei runden Knäufe, die dem Stamm Kraft und Ordnung geoen, sind wieder ein Hinweis auf den dreieinigen Gott. In dieser Kraft allein erhebt sich der Leuchter und vermag den Kelch zu öffnen zur Aufnahme der Kerzen, die das Licht er­strahlen lassen sollen.

 

      Dieses Leuchterpaar stellt nicht nur in seiner Symbolik, son­dern auch wegen seiner künstlerischen Einmaligkeit einen hohen Wert dar. Mehr als einmal haben sich fremde Hände begehrlich danach ausgestreckt. Jedoch auch die verlockendsten Angebote vermochte die diesen Schatz bewahrenden Dech­anten nicht zu erweichen.  

      Noch manche Fritzlarer werden sich an jenen Amerikaner er­innern, der nach dem ersten Weltkrieg und nach der ersten Inflation die runde Summe von 30 000 Dollar für das Leuch­terpaar bot und obendrein noch eine getreue Nachbildung anfertigen lassen wollte. Zum Glück sind uns die Schätze im Dom erhalten geblieben und weisen uns auf die große Ver­gangenheit der Fritzlarer Goldschmiedeschule hin.

Zusammengestellt unter Benutzung des Aufsatzes „Oster­leuchter, Sym­bol und Kulturgerät“, von Lothar Schreyer in „Die Lesestunde“ 1950.

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