Vorbemerkung

Die Erweiterung des Fritzlarer Hospitals zum Heiligen Geist griff schon in den 1950er Jahren vom alten Klosterbereich der Minoriten (Franziskaner) über die Stadtmauer hinaus, als zunächst ein Schwesternhaus gebaut und später der neue Haupteingang von der sog. "Reitbahn" (ehem. Stadtgraben) her eingrichtet wurde. Während die zusätzlichen Erweite-rungen zunächst die völlige Neugestaltung des ursprünglichen Kreuzgangbereiches und wieder das Außengelände des Stadtgrabens betrafen, griff eine weitere Bauphase seit der Mitte der 1990er Jahre direkt in das Innenstadtviertel "Am Jordan" ein. Man wusste ungefähr, daß dieser Bereich einst als Erweiterung des Stadtkernes zu verstehen gewesen war, hatte aber keine genaue Vorstellung von der Zeit- und Rechtsstellung der ersten Bewohner, da z. B. das Minoritenkloster auch erst nach der kriegerischen Katastrophe von 1232 entstanden war. Nach dem 2. Weltkrieg wohnten und arbeiteten in der betroffenen Häuserzeile noch Handwerker, kleine Landwirte, Arbeiter sowie Händler und eine Bäckerei. 
      Das Regionalmuseum war von dem Abriss der entsprechenden Häuserzeitle und ihrer Neubebauung insofern direkt betroffen, als sich hier über mehrere Jahrzehnte ein Außenarchiv des Museums im Gebäude des ehem. "Landhandel Klein" befand. Dies musste nun geräumt werden, was nur mit einer außerordentlichen Kraftanstrengung zu bewältigen war und die Ausweichquartiere im alten "E-Werk" am Mühlengraben, in den beiden Museumsgebäuden und beim be-nachbarten Landwirt Türich nicht wirklich sachgerecht und zufriedenstellend geeignet waren. 
      Die nun nötigen denkmalpflegerische nötigen archäologischen Vorabeiten wurden aber aufmerksam und interessiert beobachtet, denn das Areal hatte schon seit dem Bestehen der Ur- und frühgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft konti-nuierlich unter Beobachtung gestanden. Da der Ausgrabungsleiter Robert Heiner ein Studienkollege des wiss. Leiters des Regionalmuseusm gewesen war, gestaltete sich der Kontakt unkompliziert.

Begehung durch Dr. Norbert Wand und Mitarbeiter des Regionalmuseums Fritzlar

Eine Woche nach Beginn der Untersuchung durch Dr. phil. Robert Heiner am 10. Oktober 1995  kam der ehemalige Lei-ter des Ausgrabungen Büraburg und +Holzheim Norbert Wand aus Bensheim zu Besuch und verschaffte sich einen er-sten Überblick über den Stand der Arbeiten. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Ur- und Frühgeschichte und An-gehörige der Museumsjungend reinigten das nach starken Regengüssen verschmutzte Areal. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte Heiner das Flußkieselmosaik entdeckt und oberflächlich freigelegt, es aber aber aus Schutzgründen vor der Öffentlichkeit unter einer Plane verborgen.

Norbert Wand, Film 1995/01

Bei einer zweiten Begehung Mitte Dezember 1995 waren als neue Ergebnisse der 1. Grabungskampagne bereits der Brun-nenrest, die Kloake und Fragmente des sog. "Alten Turmes" zu erkennen, dessen Lage bislang unbekannt gewesen war. Dieses Bauwerk ist insofern wichtig, als es sich möglicherweise um die älteste und kleinste halbrunde Turmkonstruktion gehandelt hat, der die größeren an der Allee und schließlich der "Graue Turm" folgten. Als Kuriosität sei noch die Episode erwähnt, in welcher der Chefarzt des Hospitals Dr. Peter Trosse erwog, diesen Turmrest als gestalterisches Element in sein neues Geschäftszimmer einzubeziehen. Das lehnten aber die zuständigen Architekten ab. Dagegen setzten sich Dr. Trosse und der Anästhisist Dr. Ulrich Skubella bei der Erhaltung des Flußkieselmosaiks durch, das zunächst aufwendig geborgen und später (nicht weniger aufwendig - nach einem Vorschlag des wiss. Leiters des Museums Dr. J.-H. Schotten) im Erdgeschoss des Regionalmuseums Fritzlar untergebracht wurde.

Norbert Wand Film 1995/02

              Fassgrube (angegraben)

 Das Kieselsteinmosaik in Originallage

    

 

 

 

   Leider war der Gesamtumfang des Fußbodens nicht mehr rekonstruierbar

  "Alter Turm", innen (ohne Dr. Trosse)

In den beginnenden Wintertagen wurde auch der Keller unter dem Flußkieselmosaik vermessen. Bei letzten Reinigungs-arbeiten halfen neben der Museumsjugend auch OTL i. R. Gerhard Methner, das damalige Vorstandsmitglied von PRO FRITZLAR. Die keramischen Funde wurden im Regionalmuseums Fritzlar restauriert und ausgestellt, die Holzfunde gelangten an die Universität Köln, um sie dort nach Möglichkeit dendrochronololisch zu untersuchen.

Norbert Wand, Film 1995/03 (Robert Heiner, J.-H. Schotten)

Der abschließende Bericht der zweiten und letzten Grabungskampagne beschreibt die baubegleitende Maßnahme, die vom 22. Februar bis zum 26. März dauerte. Sie wurde den Auftraggebern und dem Regionalmuseum zeitnah im Frühjahr überreicht. Leider liegt nur eine S/W-Kopie (ohne Grautöne) vor, so daß die geschilderten Photographien erst bei er-neutem Zugang zum Original beigefügt werden können. Alle Unterlagen, Bilder und Skizzen aus dem archäologischen Fundarchiv des Regionalmuseums Fritzlar geben aber einen guten Einblick in die historische Situation und bilden eine weitere Grundlage zur Erforschung der Stadtgeschichte.

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