Vorbemerkung

Nach dem Unfalltod von Dr. Otto Uenze (*12. Januar 1905 - +29. Juni 1962), der praktisch fast die gesamte Nachkriegszeit als Landesarchäologe Nord-, Ost- und Oberhessen ("Kurhessen") bearbeitet hatte und dadurch auch zu einem der Be-treuer der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft in Fritzlar und ihres Museums geworden war, wurde Dr. Rolf Gensen sein Nachfolger am Landesamt in Marburg. Er war u. a. zuvor durch die Ausgrabung des Ost-Tores im spätlatènezeitli-chen Manching bekannt geworden. Nach den Worten von Prof. Dr. Wolfgang Dehn, dem damaligen Institutsleiter des Vorgeschichtlichen Seminars an der Philipps-Universität, brach hierdurch gewissermaßen eine neue Ära an, weil nun das Amt auch eigene Grabungen (d. h. Forschungen nach eigenen Fragestellungen) veranstalren konnte und würde. 
      So kam es, im Rahmen des auch von den Mittelalterhistorikern vor Ort (z. B. Prof. Dr. Walter Schlesinger) geforder-ten und geförderten Projekts zur Klärung der "Frankisierung Althessens" ab 1963 bis 1967 zu einem ersten Unternehmen auf dem nahen Christenberg bei Münschhausen, Kr. Marburg, das man durch aus als einen der Meilensteine der Mit-telaterarchäologie in diesem Raume bezeichnen kann. Die schon von dem Historiker Willi Görich zuvor aufgeworfene Frage, ob man sich diese politische Neuordnung nach dem Ende der antiken Verhältnisse auch als eine Art Netz aus systematisch angelegten "Stützpunkten" vorstellen könnte, beherrschte damals die Diskussion. Die Bedeutung des An-teils der Grabungen auf dem Christenberg in diesem Zusammenhang ist dabei nicht zu unterschätzen: die Kenntnis der Befunde und des Fundmaterials bildeten bis zum Anfang der 1990er Jahre eine bedeutende Basis der frühmittelalterli-chen Forschung überhaupt.
        Ganz nebenbei erbrachten die Grabungen auch bald die Reste eines frühlatènezeitlichen "Fürstensitzes", der vor Entdeckung der Strukturen am und um den Glauberg, Kr. Büdingen (Wetteraukreis) lange einen Höhepunkt in der sog. Keltenforschung Nordhessens bildete und ebenfalls wissenschaftliche Früchte trug.
      Unter den Mitarbeitern befanden sich seinerzeit zahlreiche Studenten unterschiedlichster Fachrichtungen, Qualifi-kationen und Nationen, auch Historiker und zukünftige Lehrkräfte. So war es kein Zufall, daß einige der hier angelern-ten und ausgebildeten Ausgräber auch bei der Erforschunge des nächsten "Knoten" des Netzes, dem Büraberg bei Fritz-lar, Kr. Fritzlar-Homberg, unter der Leitung des Doktoranden Norbert Wand aus Cölbe bei Marburg ab 1967 bis 1973 tätig wurden. Ohne die voraufgegangene Grabung auf dem Christenberg sind die Planung, Ausführung und Doku-mentation bis 1973 (und eigentlich bis 1995) nicht zu denken. Beide Grabungen waren noch reine Handarbeit, selbst moderne Messgeräte (von Nivelliergeräten viell. abgesehen) standen nicht wie selbstverständlich zur Verfügung. Ohne die Hilfe des Landesaamtes, der Universität und privatem Engagement wären die Projekte nicht zu stemmen gewesen.
       Als Grabungsleiter hat Rolf Gensen selten umfangreiche Berichte (oder gar ganze Bücher) verfasst. Seine Ergebnis-se finden sich heute in überwiegend eher kürzeren Schriftsätzen wieder, von denen der folgende auf einem Vortrag im Rahmen einer Tagung zur Landesgeschichte fußt.

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