Vorbemerkung
Die Erforschung der Industriegeschichte von Fritzlar steht erst am Anfang. Während ihre Entwicklung als zeitwei-lige politisch/religiöse Metropole und durch die Fruchtbarkeit der Umgebung wie die Verkehrslage begünstigter agrarischer Mittelpunkt auch durch den Fernhandel einigermaßen und in Umrissen bekannt ist, wissen wir über die Produktionskapazitäten sonstiger Güter wenig. Für das Mittelalter scheint es (archäologische) Hinweise auf syste-matische Schaf- und Pferdezucht z. B. im nahen +Holzheim zu geben. Das Chorherrenstift St. Peter bildete sicher einen Hintergrund der Gold-, Silber- und sonstigen Feinschmiedekunst; auch Lederverarbeitung lässt sich belegen.. Aber dies alles wird sich im Rahmen einer handwerklichen Arbeitsweise abgespielt haben. Lediglich die Keramik-produktion, die wir zunächst vor dem Werkel- und dann vor dem Haddamartor kennen, zu der in der frühen Neu-zeit noch eine kurzfristige Ofenkachelproduktion hinzu kam, wird man schon angesichts ihrer schieren Masse am ehesten als eine Art "Industrie" ansprechen dürfen.
Bezeichnenderweise ist es gerade wieder dieser besondere, einheimische Töpferton als "Bodenschatz", der seit dem frühen 19. Jahrhundert aus dem Westerwald spezielle Handwerker in die Stadt lockt, die angesichts politischer Umbrüche neue Fertigungsorte für ihre spezielle Steinzeug-Ware suchen. Sie gewinnen das Material durch tiefe Eingriffe in den Boden wie im Hohlen Graben oder sogar durch Tiefbau wie am Roten Rain. Ihre Produktionsweise gibt (mit angeblichen Stückzahlen in die Zehntausenden) schon ein Hinweis auf Manufaktur- oder Fabrik-ähn-liches Schaffen, nun zwischen Schilderertor und Grauem Turm. Der Erfolg lässt sie auch an der Stadtgesellschaft zunehmend teilhaben. Als ihre Nachfolger können wir die Ziegelei und die Tonwerke Busch & Co. sehen.
Mit dem Beginn der preußischen Herrschaft wird auch das Militär zu einer treibenden Kraft. Zahlreiche Be-triebe der Leder- und Metallverarbeitung etablieren sich, die Grenze zwischen handwerklicher und industrieller Fertigung verschwimmt. Einige Betriebe existieren bis zum heutigen Tag. Auch die Eisenbahn spielt eine Rolle.
Aus häuslichen Gärten zur Eigenversorgung werden Gärtnereien, von denen wir, bis vor ein paar Jahrzehnten mindestens drei kennen, auch die Mühlen wie die Bäckereien werden moderner. Die Niederlassung von Raiffeisen entwickelt zu zu einem wirtschaftlichen Faktor.
Nach dem 2. Weltkrieg kommen durch Flüchtlinge und Vertriebene einige Betriebe hinzu. Sie tragen einige Jahre durchaus zum Wohlstand der Stadt bei, verlassen sie dann aber wieder oder unterliegen dem Druck der zeit-gemäßen Modernisierung oder Konzentration sowie den Änderungen des Marktgeschehens.
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