Vorbemerkung

Der Mittelalterhistoriker Walter Schlesinger (1908-1984) ist vor allem durch seine Beiträge zur Landes- und Verfassungs-geschichte bekannt geworden. Obwohl er ebenfalls zur Generation der während der NS-Zeit geprägten Wissenschaftler gehörte (Parteimitglied seit 1929), war ihm das damals auch in der Geschichtsschreibung häufig anzutreffende Pathos (wie etwa bei Lüdtke 1936) wie auch der germanozentrische und rassistische Fanatismus zuwider. Daß er dennoch schon während des Krieges eine Professur innehatte, verdankte er dann aber nicht seiner politischen "Folgsamkeit" sondern seinem fachlichen Können.  Seit den frühen 1950er Jahren wirkte er an der Philipps-Universität Marburg als sachlich-kompetenter Dozent und Institutsleiter, aus dessen Schule zahlreiche hochqualifizierte Historiker hervorgingen, 
      Sein Interesse für die Geschichte des Ortes Fritzlar beruhte dann tatsächlich vor allem auf der Tatsache, daß hier an einem Platz ein Ereignis stattgefunden hatte,  das in der Historie nicht sehr häufig zu beobachten ist: ein scheinbar friedlicher und fast "kollegialer" Übergang der weltlichen Macht von einer Dynastie (ja, Stammesgruppe) an eine andere, der zugleich mit einer Neukonstitution eines Staates einherging (in diesem Fall: des Deutschen Reiches). Er hat sich in mehreren Texten zu diesem Phänomen geäußert, und es war daher auch kein Zufall, daß er zu dieser Problematik an der Festschrift "Fritzlar im Mittelalter" mitwirkte, die seit der 1250-Jahrfeier der Stadt und dem damals damit verbundenen "Hessentag" einen Meilenstein in der Erforschung der Stadtgeschichte bildet. 
      Ganz nebenbei führte dieses Interesse auch dazu, daß er zu den Wissenschaftlern gehörte, die ganz massiv einer "Aus-räumung" des Domplatzes zum Zwecke der Einrichtung einer Tiefgarage in diesem Gelände widersprachen, die in den 1970er Jahren von Seiten der Stadt geplant war (und -lt. Entwurf- sogar bis unter die Domtürme reichen sollte). So ist es auch ihm zu verdanken, wenn dieses Areal bis heute weitgehend ungestört blieb und es so eines Tags zu einer seriösen archäologischen Untersuchung der Oberburg in der Pfalz Fritzlar kommen mag. 

QUELLEN:

Böhme, Walter, Die deutsche Königserhebung un 10.-12. Jahrhundert. Borst, Arno und Fleckenstein, Josef (Hrsg.), Historische Texte Mittelalter, Band 14, Heft 1: Die Erhebungen von 911 bis 1105. Vandenhoek & Ruprecht in Göttingen 1970

LITERATUR:

Hlawitschka, Eduard (Hrsg.), Königswahl und Thronfolge in ottonisch-frühdeutscher Zeit. Wege der Forschung, Band CLXXVIII, WBG Darmstadt 1971, Bestellnummer 4166, ISBN 3-534-04166-6, darin:

Hempel, Hermann, Bemerkungen zur Geschichte Heinrichs des Ersten (hier S. 1-45). Bericht über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Philol.-hist. Kl. 88, H. 4, 1936, S. 1-45.

Lintzel, Martin, Zur Designation und Wahl König Heinrichs I. (hier S. 46-70). Deutsches Archiv 6, 1943, S. 379-400.

Rörig, Franz, Geblütsrecht und freie Wahl in ihrer Auswirkung auf die deutsche Geschichte (hier: S. 71-147). Abhand-lungen der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Jg. 1945/46, Phil.-hist. Kl. 6, 1948, S. 1-51.

Beumann, Helmut, Die sakrale Legitimierung des Herrschers in der ottonischen Zeit (hier: S. 148-198). Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germ. Abt. 66, 1946, S. 1-45.

Martin, Lintzel, Zu den deutschen Königswahlen der Ottonenzeit (hier: S. 199-215). Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germ. Abt. 66, 1946, S. 46-83.

Mitteis, Heinrich, Die Krise des deutschen Königswahlrechts (hier: S. 216-302). Sitzungsberichte der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, Phil.-hist. Kl., Jg. 1950, H. 8, S. 1-92.

Schlesinger, Walter, Rezension zu: Heinrich Mitteis, Die Krise des deutschen Königswahlrechts (1952) (hier: S. 303-308). Historische Zeitschrift 174 (1952), S. 101-106.

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